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Freitag, 30. September 2011

Endlich Internet!

...aber nur an der Uni ;).

Nach fast 1 Monat in Istanbul, habe ich es endlich mal geschafft Internet an der Uni zu finden. Momentan funktioniert das Internet in meiner Wohnung noch nicht, weshalb ich bislang noch nicht die Möglichkeit hatte, einen Blog-Eintrag zu schreiben.

Ich bin jetzt seit 4. September in Istanbul und mir gefällt es super. Die Stadt ist der absolute Wahnsinn. Bei 15 Millionen Einwohnern, dem Bosporus, Marmarameer und Schwarzen Meer, sowie unzähligen historischen Bauten, sowie Bars und Restaurants an jeder Ecke, kann es hier gar nicht langweilig werden. Ich bin eigentlich den ganzen Tag nur unterwegs. Die ersten drei Wochen habe ich einen Türkisch-Kurs von ERASMUS belegt und bin seit dieser Woche an der Uni. Der Türkisch-Kurs war sehr gut organisiert, die Uni war sehr modern und vor allem habe ich dort sehr viele andere ERASMUS-Studenten kennen lernen können. Die meisten ERASMUS-Studenten kommen aus Deutschland. Ich wohne zusammen mit 2 Türken in einer WG. Einer von beiden, war ebenfalls bei AIESEC und spricht sehr gut Englisch, weshalb ich dort gar keine Probleme mit der Kommunikation habe. Außerdem habe ich über ihn auch schon einige weitere türkische Studenten kennen gelernt.

Der Übersicht halber, werde ich kurz die Tops und Flops der ersten 4 Wochen darstellen und demnächst etwas ausführlicher über bestimmte Themen schreiben.

Tops:


  • Istanbul selbst: Die Stadt ist, wie oben bereits erwähnt, der absolute Hammer. Meer, historische Gebäude, Bars, Restaurants, moderne Bankenviertel mit Hochhäusern, überall wird gebaut (gerade wird das zweite 7-Sterne Hotel der Türkei mitten in der Stadt bei Taksim gebaut), ca. 30 Universitäten (zum Teil sehr modern), Konzerte und Ausstellungen überall. Hier gibt es für jeden etwas und es ist garantiert nicht so, wie man sich die Türkei oder Istanbul vorstellt, wenn man noch nie da war. Es ist schwer die Stadt mit Worten zu beschreiben. Die Stadt scheint unendlich groß zu sein, Moderne und Geschichte, sowie Europa und Asien treffen hier aufeinander.
  • Gastfreundlichkeit: Die Leute hier sind unheimlich gastfreundlich. Wenn man jemanden etwas fragt, bekommt man immer Hilfe. Die magischen Worte scheinen "ERASMUS" und "Almanya" zu sein. Wenn man sagt, dass man ERASMUS-Student ist oder, dass man aus Deutschland kommt, sind sie besonders freundlich. Deutschland hat hier einen sehr hohen Stellenwert. Ich wurde auch schon öfter von Türken eingeladen im Restaurant, nur weil ich gesagt habe, dass ich aus Deutschland bin. 
  • Meine Mitbewohner: Meine Mitbewohner sind ebenfalls sehr freundlich und helfen mir, wo sie können. Durch sie habe ich auch viel Kontakt zu Einheimischen und nicht nur zu ERASMUS-Studenten und bekomme viele Einblicke über Sichtweisen und Problem, die türkische Jugendliche haben. 
  • Das Wetter: Die ersten drei Woche habe ich keinen Regentropfen und fast keine Wolke am Himmel gesehen. Es war jeden Tag über 30 Grad. Seit ein paar Tagen wird es etwas kühler.
  • Sprachkurs: Der Türkisch-Sprachkurs (EILC), organisiert von ERASMUS, war sehr gut. Dadurch kann ich mich jetzt zumindestens in den Geschäften und sonst auf einfachste Weise auf türkisch verständigen, auch wenn ich vom Small-Talk noch Lichtjahre entfernt bin ;). Der Türkisch-Kurs ging insgesamt 60 Stunden, jeden Tag 4 Stunden von 9 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags, 3 Wochen an der Istanbul Kültür University. Die Uni ist eine eher kleinere, aber sehr moderne private Uni. Neben dem Sprachkurs, wurden im Anschluss fast jeden Tag Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten, Museen oder auch eine Bosporus-Rundfahrt organisiert. Es gab insgesamt 120 Studenten und 6 Kurse, die an dem Sprachkurs teilgenommen haben. An dem Kurs konnten aber bei weitem nicht alle ERASMUS-Studenten teilnehmen, da alleine meine Uni schon 320 ERASMUS-Studenten dieses Jahr hat. Ich kann nur jedem empfehlen, der ein ERASMUS-Semester macht, so einen Kurs zu machen, da man direkt so viele andere Studenten, auch aus anderen Universitäten, kennen lernt. Außerdem findet man sich so in der Stadt schneller zurecht und auch versteht die Sprache wenigstens etwas. Von den 120 ERASMUS-Studenten kommen ca. 70 aus Deutschland.
  • Preise: Das Essen und auch Kleidung sind hier deutlich günstiger. Man kann bereits einen Döner für 80 Cent bekommen, auch wenn er kleiner und etwas anders ist, als die "deutschen" Döner. Für ein normales Essen im Restaurant mit Getränk zahlt man ca. 3-4€. Da ich aber ständig unterwegs bin, gebe ich natürlich trotzdem etwas mehr Geld aus, als in Deutschland, da die Lebensfrequenz im Moment deutlich höher ist.
  • System der öffentlichen Verkehrsmittel: Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gehören die Busse, Straßenbahn, Metro und sogar die Fähren. Man bezahlt hier einfach mit einer Karte, die man mit Geld aufläd. Dadurch dauert es nicht lange, bis die Leute in den Verkehrsmitteln sind und man hat kurze Wartezeiten. Außerdem gilt die Karte für all diese Verkehrsmittel. Als Student kann ich für umgerechnet ca. 30€ 200 Fahrten im Monat machen. Hier bezahlt man nicht für die Distanz, sondern pro Fahrt. Die 200 Fahrten werde ich wohl fast komplett benötigen.
  • Handy-Preise: Ich habe mir eine türkische SIM-Karte für 30€ gekauft, wovon 25€ Guthaben sind. für 3€ im Monat habe ich eine Internet-Handy-Flatrate und für weitere 3€ kann ich 500 SMS schreiben.
  • Fußball: Da ich großer Sport-Fan bin, kommt es mir sehr gelegen, dass für die Türken das Thema Nr. 1 der Fußball ist. Mit Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray spielen die drei größten Klubs der Türkei hier. Ich war bereits ein Spiel von Besiktas schauen. Meine Mitbewohner sind Fenerbahce-Fans und haben mir ein Trikot geliehen. Man sollte damit nur nicht im Viertel von Besiktas rumlaufen oder umgekehrt nicht im asiatischen Teil Kadiköy mit Besiktas-Trikot, denn dort spielt Fenerbahce. Besiktas und Kadiköy sind zwei sehr schöne Viertel von Istanbul, wo man gut wohnen kann. Alleine Kadiköy hat übrigens schon mehr als eine Million Einwohner. Galatasaray befindet sich mehr im Zentrum, in der Nähe von Taksim.
Insgesamt überwiegen mit Abstand die positiven Eindrücke, weshalb der Ausdruck Flops eigentlich gar nicht passt, weil es eher Kleinigkeiten sind.

"Flops":
  • Straßenverkehr: In Istanbul ist fast jeder mit dem Auto unterwegs. Wer mit dem Bus unterwegs ist, wird quasi gefragt, ob er kein Geld für ein Auto hat. Fahrräder sieht man praktisch gar nicht. Es ist aber auch zu gefährlich mit dem Fahrrad auf der Straße zu fahren. Man kann sich den Verkehr morgens ab halb 8 bis 10 und nachmittags ab 4 an jeder Ecke von Istanbul ungefähr so vorstellen, wie wenn in Deutschland Fußballspiele stattfinden. Die Stadt scheint manchmal im Stau zu ersticken. Außerdem scheinen keine Regeln im Straßenverkehr zu gelten. Auf Fußgänger wird fast keine Rücksicht genommen. Es wird links oder rechts überholt, eben da, wo sich noch eine Lücke auftut. Außerdem habe ich schon mehrmals erlebt wie Busse Autos gerammt haben. Außerdem warten die Busfahrer meistens bis die Busse so voll sind, dass man sich nicht mehr bewegen kann, bis sie losfahren. Die Metro und Fähren kann man allerdings ohne Probleme nutzen. Die Metro ist sehr modern und meine Uni hat zum Hauptcampus eine eigene Station.
  • "Zeit": Durch die riesigen Distanzen und den ständigen Stau, sitzt man manchmal 4-5 Stunden am Tag im Bus. Vor allem Anfang habe ich viele administrative Sachen erledigen müssen. Manchmal habe ich den ganzen Tag gebraucht um irgendwo nur eine Unterschrift zu bekommen. Außerdem ist am Anfang so viel administratives zu erledigen, dass es sich alleine deswegen fast lohnen würde ein Jahr hier zu bleiben.
  • "Issues": Man hat das Gefühl, dass in allen Wohnungen ständig irgendwo irgendwas nicht funktionert. Den häufigsten Satz, den ich gehört habe, ist: "We will solve this issue" (Wir lösen das Problem) oder wenn was nicht klappt: "Welcome to Turkye" oder "This is Turkye". Die ersten zwei Wochen hatte ich kein warmes Wasser. Internet funktionert leider immer noch nicht. Dann verstopfen häufiger Abflüsse etc.. Aber das sollte niemanden abschrecken nach Istanbul zu kommen, denn das sind eher Kleinigkeiten und auch wieder ein starker Kontrast zu den ganzen modernen Hotels und Gebäuden, die es hier gibt. Insgesamt bin ich mit meiner Wohnung sehr zufrieden.
  • Englisch-Level der Einheimischen: Leute, die gut oder überhaupt ein paar Worte englisch sprechen, sucht man größtenteils vergebens. Nur an der Uni finde ich ein paar Türken, die englisch sprechen, aber oft nur sehr schlecht. Mein Mitbewohner spricht aber sehr gut englisch. An dieser Stelle kann ich kurz noch meine Ankunft schildern. Ich bin Sonntag nachts um 3 Uhr am asiatischen Flughafen angekommen, der ca. 50km von meiner Wohnung entfernt ist. Da zu dieser Zeit Ferien in der Türkei waren, war fast kein einheimischer Student in der Stadt, der mich abholen konnte... auch nicht meine Mitbewohner. Deshalb haben sie die Schlüssel der Wohnung in dem Kiosk gegenüber der Wohnung abgegeben. Ich hatte lediglich die Adresse, ein Blatt auf dem auf türkisch stand, dass ich ein Freund von Emrah (mein Mitbewohner) bin und sie mir bitte die Schlüssel geben sollen. Außerdem wusste ich, welche Busse ich nehmen muss. Da der Kiosk erst um 9 Uhr öffnet, habe ich bis 6 Uhr am Flughafen gewartet, um dann die passenden Busse zu nehmen, was mehr oder weniger gut geklappt hat, da ich auch nicht wusste, dass ich eine Buskarte brauche und nicht mit Geld im Bus bezahlen kann. Aber die Busse waren die richtigen und nach ca. 2 1/2 Stunden war ich an der Bushaltestelle, wo irgendwo meine Wohnung sein sollte. Zuerst machte ich mich selbst auf den Weg, die Wohnung zu finden, aber Hausnummern sucht man meistens vergebens. Außerdem gibt es in Istanbul alle 30 Meter einen  Kiosk. Nach ca. 1 1/2 weiteren Stunden habe ich dann begonnen die Leute zu fragen. Allerdings konnte ich zu dem Zeitpunkt kein Wort türkisch und die Einheimischen konnten alle kein Wort englisch. Zum Glück hatte ich die Adresse ausgedruckt. Durch Verständigung mit Händen und Füßen und Befragung von 3 Leuten habe ich dann vor meiner Wohnung gestanden. Allerdings musste ich noch den Kiosk für den Schlüssel finden. Zudem haben vor dem Hause meiner Wohnung zwei ältere Herren gesessen, die sich gewundert haben, was ich hier mache ohne Schlüssel und warum ich kein türkisch spreche. Irgendwie habe ich den Kiosk dann entdeckt. Dort habe ich das Blatt mit meinem türkischen Satz mit den Schlüsseln vorgezeigt und habe letztlich die Schlüssel bekommen.
Beim nächsten Eintrag werde ich ein paar Bilder hochladen. Ich habe bislang bereits ca. 1000 Bilder geschossen, obwohl ich mich immer bemühe nur die "interessanten" Sachen zu fotografieren.

Viele Grüße nach Deutschland!
Marcus